Was geschah in den Emslandlagern?

Schülerinnen und Schüler der Klasse 3b der Grundschule Friedrichsfehn stellen Fragen zur Gedenkstätte Esterwegen und zu den Emslandlagern





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Carl von Ossietzky 1889 - 1938, Deutscher Publizist und Pazifist
Carl von Ossietzky war Symbolfigur des Widerstandes gegen die Nazi-Diktatur.

Er wird am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren. Als Carl 2 Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr wächst er bei einer Tante auf.

Nachdem seine schulische Laufbahn nicht so erfolgreich verläuft, beginnt er 1907 als Hilfsschreiber beim Amtsgericht in Hamburg. Am 19. August 1913 heiratet er Maud Hester Lichtfield-Words, Tochter eines britischen Offiziers und einer indischen Fürstin.

In der Weimarer Republik (1919 - 1933) wird Carl von Ossietzky zum bedeutendsten Publizisten.
Gedenksteine in Esterwegen


Der Weg in das KZ Esterwegen
Gedenktafel in Esterwegen Seit 1926 ist Carl von Ossietzky Redakteur für die politische Zeitschrift "Die Weltbühne", 1927 wird er Herausgeber dieser Zeitschrift. Carl von Ossietzky schreibt immer wieder gegen die geheime Aufrüstung der Reichswehr.

1931 wird er zu 18 Monaten Gefängnis wegen "Landesverrats" verurteilt. Das Gnadengesuch seines Anwalts und zahlreicher Persönlichkeiten, unter anderem Thomas Mann und Albert Einstein, werden abgelehnt. Am 22. Dezember 1932 wird Carl von Ossietzky vorzeitig freigelassen.

Er schreibt weiter Aufsätze für die Weltbühne. Die Zeitschrift wird im März 1933 verboten. Freunde raten ihm, ins Ausland zu fliehen. Carl von Ossietzky lehnt ab. Am 27. Februar 1933 brennt der Reichstag, in derselben Nacht wird Carl von Ossietzky in seiner Wohnung verhaftet.

Am 6. April 1933 wird er vom Polizeigefängnis Alex in das KZ Sonnenburg gebracht und von dort kommt er am 15. Februar 1934 in das KZ Esterwegen. Hier soll Carl von Ossietzky physisch vernichtet (gebrochen) werden.

Seine Mithäftlinge helfen ihm immer wieder und retten ihm mehrfach das Leben. Seit 1934 setzt sich die Liga für Menschenrechte für einen Friedensnobelpreis für Carl von Ossietzky ein.

Am 23. November 1936 wird ihm der Friedensnobelpreis zugesprochen. Adolf Hitler verbietet ihm die Annahme des Nobelpreises und seine Ausreise wird abgelehnt.

Die Preisverleihung findet in Oslo ohne Carl von Ossietzky statt.
Carl von Ossietzky
Carl von Ossietzky stirbt am 4. Mai 1938 im Krankenhaus in Berlin an den Folgen der schweren Misshandlungen im KZ und an den Folgen einer Tuberkulose. Es wird vermutet, dass er vorsätzlich mit Tuberkulose im Konzentrationslager infiziert wurde. Seit seiner Haftentlassung aus dem KZ Esterwegen stand Carl von Ossietzky unter Polizeiaufsicht.


Das Carl-von-Ossietzky-Lied
Der berühmteste Häftling im KZ Esterwegen war Carl von Ossietzky. Er hatte die Häftlingsnummer 562.
Carl von Ossietzky hatte die Häftlingsnummer 562. Vielen Schülerinnen und Schülern der Grundschule Friedrichsfehn ist der Name Carl von Ossietzky bekannt.

Mehrere Eltern sind an der Universität Oldenburg, die den Namen Carl von Ossietzky Universität trägt, beschäftigt.

Viele Studenten und Studentinnen der Carl von Ossietzky Universität sind regelmäßig an der Schule eingesetzt.

Welcher Zusammenhang zwischen dem Emslandlager Esterwegen und Carl von Ossietzky besteht, ist den Kindern bisher aber nicht bewusst gewesen.
Eine ganz besondere Bedeutung hat für uns aber das Lied "Dat Leed van den Häftling Nr. 562".

Der niederdeutsche Schriftsteller Oswald Andrae (1926 - 1997) schrieb dieses Lied 1978 und widmete es seinem Sohn Joost, der genau an Carl von Ossietzkys Todestag, dem 4. Mai, geboren ist.

Eine der beiden Enkeltöchter Oswald Andraes besucht die 4. Klasse der Grundschule Friedrichsfehn.

Joost Andrae hat das Lied seines Vaters für die Grundschule Friedrichsfehn gesungen und aufgenommen.

Die Übersetzung ins Hochdeutsche stammt von Hannelore Andrae, der Witwe Oswald Andraes.
  herunterladen Gesamtes Lied herunterladen
(mp3-Datei ca. 3 MB)
Dat Leed van den Häftling Nr. 562 (Text und Melodie: Oswald Andrae)
1. En halv Dusend
un fief Dutzend
un denn noch
twee mal Een.
Kind, mien Kind,
tell dat tosamen,
denn hest de Tahl,
de ick meen.

Einhalb Tausend
und fünf Dutzend
und dann noch
zweimal eins,
Kind, mein Kind,
zähl das zusammen,
dann hast du die Zahl,
die ich meine.
2. Is en Tahl blots,
is en Tahl blots.
Schriev se up.
Kind, hest sehn?
Disse Tahl,
dat weer de Nummer,
weer de Nummer,
de ik meen.

Es ist eine Zahl nur,
nur eine Zahl.
Schreib sie auf,
Kind, hast du's gesehen?
Diese Zahl
war die Nummer,
war die Nummer,
die ich meine.
3. Weer en Nummer,
blots en Nummer.
Van ganz veel
weer't man een.
So veel Nummers
up de Jacken
van de Minsken
de ik meen.

War 'ne Nummer,
bloß 'ne Nummer,
von ganz vielen
war's nur eine,
so viel Nummern
auf den Jacken
von den Menschen,
die ich meine.
4. Weren Minsken
insperrt Minsken.
Hitler harr't
Regiment;
man se glöwen,
wat se glöwen,
- foltert, slaan,
vergast, verbrennt.

Es waren Menschen,
eingesperrte Menschen,
Hitler hatte das
Regiment,
aber sie glaubten,
was sie glaubten,
- gefoltert, geschlagen,
vergast, verbrannt.
5. Männich Christ
und Kommunisten,
Sozialdemokrat,
Jöden, Zentrum,
Pazifisten:
"Schutzhaft", KZ,
Moorsoldat.

Viele Christen und
Kommunisten,
Sozial-
demokrat,
Juden, Zentrum,
Pazifisten:
"Schutzhaft", KZ
Moorsoldat.

6. In't KZ
van Esterwegen,
- Kind, nümms kann't
nu verstahn! -,
Hebbt se Carl von
Ossietzky
elennig to-
samenslaan.

Im KZ von
Esterwegen,
- Kind, niemand kann's
nun verstehn! -
haben sie Carl von
Ossietzky
elendig
zusammengeschlagen.
7. Nägn-tein-hun-nert-
acht-un-dar-tig.
veerten Mai
in Berlin:
ünner Upsicht
van d'GeStaPo
schräwen se sien
Dodenschien.

Neun-zehn-hun-dert
acht-und-drei-ßig
vierter Mai
in Berlin
unter Aufsicht
der GeStaPo
schrieben sie seinen
Totenschein.
8. Fief-hun-nert-un-
twee-un-seß-tig
weer sien Nummer
mal wään.
Den Nobelpries
för den Fräden
krääg de Häftling,
de ik meen.

Fünf-hun-dert-und
zwei-und-sech-zig
war seine Nummer
mal gewesen.
Den Nobelpreis
für den Frieden
bekam der Häftling,
den ich meine.
9. Gegen Unrecht
harr he sträden.
Mien Kind,
vergäät dat nich:
Waak wään, handeln
för den Fräden,
denn dat Woort al-
leen helpt nich.
Gegen Unrecht
hatte er gekämpft,
mein Kind, ver-
giss das nicht:
Wach sein, handeln
für den Frieden,
denn das Wort
allein hilft nicht.